Ackergifte? Nein danke!

Das Märchen:

Pestizide vergiften die Luft nicht, hat man uns gesagt. Sie bleiben auf dem Acker und gelangen niemals in die Stadt. Und bei ihrer Zulassung werden sie ausgiebig geprüft.

Jetzt kennen wir die Wahrheit. Die Studie „Pestizid-Belastung der Luft“beweist: ​

Pestizide sind überall, in jedem Winkel Deutschlands, auch weit abseits von Äckern. Über die Luft verbreiten sie sich bis in Städte und Nationalparks. Wie schädlich sie für Gesundheit und Artenvielfalt sind, kann dabei nur erahnt werden. Wie gefährlich sie für die Bio-Landwirtschaft sind, ist aber jetzt schon klar: Wenn wir nicht sofort handeln, gibt es eines Tages keine Bio-Produkte mehr. Und damit keine giftfreie Ernährung für unsere Kinder und Enkel. Deshalb sagen wir: Ackergifte? Nein danke!

Auf dieser Seite finden Sie alle Ergebnisse der Studie „Pestizid-Belastung der Luft“, Hintergründe und weiterführende Informationen zur Bedrohung durch Ackergifte und Möglichkeiten, wie Sie sich gemeinsam mit uns und unseren Partnern gegen Ackergifte und die Vergiftung unserer Lebensgrundlagen einsetzen können.

Studie „Pestizid-Belastung der Luft“

Was ist das Ergebnis?

An den 163 Untersuchungsstandorten wurden insgesamt 138 Pestizide gefunden, selbst auf der Spitze des Brockens im Nationalpark Harz waren 12 Pestizide nachweisbar. Fast ein Drittel der nachgewiesenen Wirkstoffe (30 %), darunter DDT und Lindan, ist dabei in Deutschland nicht oder nicht mehr zugelassen.

Anders als von Pestizidherstellern suggeriert, verbreiten sich in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzte Pestizide wie Glyphosat oder Pendimethalin also kilometerweit durch die Luft. Das von der Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestufte Glyphosat konnten wir dabei in sämtlichen Passivsammlern und Luftfiltern, somit in allen Regionen Deutschlands und auch weit abseits der Quelle nachweisen.

Was wurde untersucht?

Dass es Abdrift und Verfrachtung von Pestiziden gibt, ist schon lange bekannt. Denn wenn sich der Boden erwärmt, steigen Ackergifte zusammen mit Dunst und feinen Staubteilchen in höhere Luftschichten auf und werden mit dem Wind meilenweit fortgetragen.

Doch in welchem Ausmaß dies geschieht, wurde durch die bundesweite Studie zur Pestizidbelastung der Luft nun erstmals systematisch belegt. Dafür hat das wissenschaftliche Institut TIEM, im Auftrag des Bündnisses für eine enkeltaugliche Landwirtschaft und des Umweltinstituts München, von März bis November 2019 an 116 über die gesamte Bundesrepublik verteilten Standorten den Pestizidgehalt der Luft gemessen.

Die verschiedenen Messpunkte befanden sich in Städten und auf dem Land, in konventionellen sowie Bio-Agrarlandschaften sowie in unterschiedlichen Schutzgebieten, teilweise in weniger als 100 Meter Entfernung von der Quelle – wie ein Radfahrer, der an einem Feld vorbeifährt, auf dem gerade gespritzt wird – teilweise in über 1.000 Metern Entfernung, also schon im Nachbardorf.Die Daten wurden mit Hilfe von neu entwickelten technischen Passivsammlern, Filtermatten aus Be- und Entlüftungsanlagen sowie durch Funde in Bienenstöcken erhoben. Unterstützt wurde das Projekt von Bürgern, Landwirten und Imkern, die die Pestizidsammler nach Anweisung und gezielter Orts-Auswahl des TIEM-Instituts aufstellten und anschließend die Proben einsendeten. In die Ergebnisse floss zudem eine Vor-Untersuchung an Baumrinden aus den Jahren 2014 bis 2018 mit ein.

Problemlage

Was sind eigentlich Ackergifte?

Ackergifte sind chemische Tötungsmittel, die gegen Pflanzen (Herbizide), Pilze (Fungizide), Insekten (Insektizide) und Mikroorganismen (Pestizide) auf den Äckern ausgebracht werden. Darunter sind hochgiftige Wirkstoffe, die nicht nur Bienen töten und Menschen gesundheitlich schädigen. Sie vernichten auch viele andere Insekten und Wassertiere, schädigen das Bodenleben und belasten das Trinkwasser wie die auf dem Acker angebauten Lebensmittel.

Die Folgen

Der Einsatz von Ackergiften in der Agrarindustrie hat unter anderem dazu beigetragen,

  • dass jeder zweite Feldvogel ausgestorben ist,
  • dass fast die Hälfte der Arten in den Ackergewässern verloren gegangen ist,
  • dass weltweit eine Vielzahl von Insekten gefährdet ist oder diese gar verschwinden,
  • dass auf vielen Ackerflächen kein Humus mehr entsteht,
  • dass durch Wasser- und Winderosion kostbarer Boden verlorengeht,
  • dass die Landschaft, die vor der Erfindung der industriellen Landwirtschaft ein unendlich verflochtenes Lebensgewebe war, das den Menschen einschloss, zur Open-Air-Fabrik für Kohlenhydrate, die den Menschen und alles unerwünschte Leben ausschließt, verkommen ist.

Menschen erleiden gesundheitliche Beschwerden, die jedoch bisher nur in besonders schweren Einzelfällen als Folgen von Vergiftungen mit Spritzmitteln anerkannt wurden.

Was sind die Auswirkungen?

Bio-Betriebe, die in Nachbarschaft zu konventionellen Betrieben liegen, kennen das Problem, dass ihre Anbaufrüchte durch Pestizide von Nachbarflächen kontaminiert werden. Um maximale Wirkung auf die unerwünschten Lebewesen zu erzielen, ist es sogar erwünscht, dass manche Giftstoffe über mehrere Tage in Bodennähe verfügbar sind. Daher ist bei vielen Spritzmitteln die Wetterlage genau zu beachten. Da die Landwirtschaftsbetriebe über die Ausbringung Buch führen müssen, kann in der Regel rekonstruiert werden, welche Wind- und Temperaturverhältnisse zur Zeit der Ausbringung und danach vorherrschend waren.

Was ist Verfrachtung von Pestiziden?

Die in der modernen Agrarwirtschaft eingesetzten Ackergifte stehen nicht nur im Verdacht, sich durch den Verzehr im tierischen und menschlichen Körper anzusammeln und gesundheitliche Schädigungen hervorzurufen. Studien, die das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft in Auftrag gegeben hat, nähren den Verdacht, dass sich bestimmte Wirkstoffe flächendeckend ausbreiten und von Menschen in Stadt und Land gleichermaßen ständig eingeatmet werden.Bei letzterem spricht man von Verfrachtung, die durch Witterungseinflüsse hervorgerufen wird, bei denen kleinste Mengen von Wirkstoffen zusammen mit Staubteilchen oder als Aerosole, ein Gemisch aus Schwebeteilchen, in die höheren Luftschichten aufsteigen und mit der Windbewegung und Niederschlägen weit verbreitet werden. Hier einen Nachweis der Gesundheitsschädigung führen zu wollen, ist sehr schwierig und bleibt einstweilen weiteren Forschungen vorbehalten.

Was ist Abdrift von Pestiziden?

Viel näher an der Nachweisbarkeit sind Schädigungen durch die sogenannte Abdrift. Bei der Ausbringung von Pestiziden kann es dazu kommen, dass der feine Sprühnebel verweht wird. Das Ackergift wird so vom Ort der Anwendung wegtransportiert und schlägt sich – mitunter in mehreren Hundert Metern Entfernung – auf Nachbarflächen, in Gewässern, Gehölzen, Wäldern oder Gärten nieder. Das nennt man Pestizid-Abdrift. Auch durch Fehlanwendungen und Unfälle kommt es häufig zu direkter Kontaminierung mit den oftmals hochgiftigen Substanzen.Von Pestizid-Abdrift kann jede und jeder betroffen sein. Über Abdrift gelangt der Sprühnebel auf Obst und Gemüse in Gärten von Anrainern und auf Spielflächen von Kindern. Menschen, die sich gern in der Natur aufhalten, wie Spaziergänger, Joggerinnen und Radfahrer, geraten ungewollt in den Sprühnebel frisch behandelter Felder. Wer sich in der Landschaft aufhält, kann unfreiwillig zum Zeugen oder der Zeugin fehlerhafter Anwendung werden, wenn bei starkem Wind gespritzt wird oder Wege, Raine, angrenzende Gehölze oder Gewässer mitgespritzt werden. Auch warme Witterung kann ein Auslöser von Abdrift sein. Der Wirkstoff Clomazon wird etwa schon bei Boden- und Lufttemperaturen ab etwa 18 Grad Celsius gasförmig. Das Gas steigt auf, wird bereits durch schwache Luftbewegungen davongetragen und sinkt durch Luftabkühlung wieder zu Boden.

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